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Oberhalb von Rahn | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kicken etc. auf dem Sportmuseum "... aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt. Toooooor!" Und noch mal: "... aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt. Toooooor!" Und noch mal? Bitte schön: "...Toooooor!" So ist es doch: Der heilige Hain der Fußballgötter, von der sich plötzlich überschlagenden Stimme der fünfminütigen Endlosschleife leise, aber eindringlich rhythmisiert – das ist der wahre Olymp! Ständig droht man in diesem Museum von hyperaktiven Halbwüchsigen in Basketballschuhen über den Haufen gerannt zu werden, doch hier, in einer Seitenkammer zwischen Videoscreen und Trainerbank, zwischen Kickerdevotionalien an den Wänden und Grasstücken aus allen Bundesligastadien, ist Schluss mit der Respektlosigkeit, herrscht endlich die Erhabenheit, die dem Orte gebührt. [?] 360 Grad Panorama, Dach des Sportmuseums Zugegeben, der Bogen im Ganzen reicht weiter, von Sellerie-Siegeskränzen der Antike bis zu den Idolen von heute, vom Bob bis zu den Boliden der Formel 1, und dass Shaquille O’Neal Schuhgröße 59 hat, ist durchaus beeindruckend. Aber kann man mit solchen Tretern Fußball spielen? Heldentaten wie die von einer irritierten Nation just wieder entdeckte WM `54 sind es doch, die den Laden zusammenhalten, bildlich gesprochen sowieso, aber auch ganz konkret im Sport & Olympia Museum neben dem Rheinauhafen. Denn leitmotivisch wirken die Historie gewordenen Worte hier noch aus einem subtileren Grund: Nicht nur Rahn hätte damals müssen, und tat es dann auch – die Nähe des Konjunktivischen zum Realen ist überhaupt der Schlüssel zu diesem Museum. Soll heißen: Wer angesichts eigener etwas instabil gewordener Körperpartien zwischen all diesen Spuren körperlicher Ertüchtigung den Drang verspürt, er selbst müsste, sollte, könnte doch eigentlich auch mal wieder, der kann tatsächlich, wenn er denn will: Fußballspielen zum Beispiel, und zwar umgehend. Denn das Personal an der Kasse hält Bälle bereit, und damit, endlich, geht es hinauf aufs Dach: Eine Etage oberhalb von Rahn und Konsorten harrt ein sich unter dem Kölner Himmel dehnender Kunstrasen all derer, die vor einer korrekt vorgetragenen Blutgrätsche nicht zurückschrecken. Und was für ein Ort für derlei Übungen! Ein wenig Bronx haftet an den Maschen der hohen Umzäunung, linker Hand fließt behäbig das Wasser des Rheins, rechts das des Hafenbeckens. Und einige Meter entfernt klimmen die Spannseile der Severinsbrücke mit Leichtigkeit zur Spitze des Pylons hinauf, während die Spielfläche, ein Stück nur unter der Brückenfahrbahn gelegen, vom brandenden Verkehrslärm widerhallt. Die Museumsleitung jedenfalls musste vor lauter Street Credibility die Spielzeit mittlerweile auf 15, bei Zureden 30 Minuten beschränken, um der Nachfrage Herr zu werden. Aber wie man sich da oben miteinander arrangiert, ist ja noch einmal eine andere Frage: Wer sich zuvor die "Tore des Jahres" `71ff auf erwähnter Videowand zu Gemüte geführt hat, braucht für das Replikat eines Fischer’schen Fallrückziehers sowieso ein paar geduldige Statisten oder – Auge `89! – einen gefügigen Dussel, den er von der Mittellinie blöd aussehen lassen kann. Ein Wehrmutstropfen allerdings bleibt. Weil ein wahrer Sportler Zäune eh nicht akzeptiert oder die Fischernummer doch nicht so einfach ist, wie sie aussieht, wird mancher das Leder ordentlich ins Blaue respektive ins graubraune Flusswasser gesemmelt haben. Einen Tacken zu oft offensichtlich, jedenfalls gibt es jetzt nur noch Softbälle. Zum Glück rasen die Zuschauer zu schnell über die Brücke, um das erniedrigende Detail zu registrieren. Und noch was: Einen Basketballkorb gibt es auch dort oben (mit echten Bällen übrigens), sowie eine zweite Spielfläche mit Netz und vollwertig abgekreidetem Tennis Court ebenfalls auf Kunstrasen. Auch dafür bekommt man die nötigen Utensilien an der Kasse. Aber wer spielt schon Tennis? Olaf Winkler Freier Architekturjournalist und Redakteur der Zeitschriften polis und build, Köln [?] 360 Grad Panorama, Dach des Sportmuseums [?] 360 Grad Panorama, Dach des Sportmuseums |
![]() ![]() Die Sicht von Oben zeigt Dächer, die zum fließenden städtischen Raum zählen oder so abstrakt wie ein Architekturmodell sind. Dächer, die die wechselhafte Kölner Geschichte erzählen oder pures Freizeitvergnügen sind. Volkshochschule Dom Sportmuseum Südamerikahaus Unicenter Wallraf-Richartz-Museum |
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