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Die Tiefgarage unter dem Wohnhaus Domstraße 52 Das Untergeschoss des Parkhauses Domstr. 52 scheint aus einer Zeit zu stammen, in der das Wort "Tiefgarage" womöglich noch gar nicht geprägt war. So wie Parkhäuser im Kölner Generalverkehrsplan von 1956 mit "mehrgeschossige Parkgebäude" umschrieben wurden, hätte man sich in diesem Falle womöglich mit "unterirdische Einrichtung zum Parkieren von Automobilen" oder Ähnlichem beholfen. Ebenso sachlich korrekt und dabei zugleich atmosphärisch den Kern der Sache treffend wäre in diesem Falle allerdings "Autokeller" gewesen. [?] 360 Grad Panorama, Tiefgarage Die Tiefgarage unter dem Wohnhaus Domstr. 52 ist, wie viele ihrer frühen Artgenossen, ein "Keller as Keller can". Tritt man, vor dem Haus stehend, durch das linke Tor auf die steil abwärts führende Rampe aus geripptem 50er-Jahre-Beton, ahnt man bereits den Einstieg in eine Gruft, deren zeitgeschichtliche Dimension verblüfft. Woher kommt diese Aura des Zeitzeugnisses, die hier soviel stärker ist als angesichts des darüber liegenden Hauses? Beinahe hat man das Gefühl eines archäologischen Fundes (so ähnlich stelle ich mir die Entdeckung eines Pharaonengrabes vor, zwar ohne Schatz, aber immerhin…). Da wäre zunächst mal diese ausgeprägte Lichtarmut: als Frühwerk seiner Art und als Bauwerk einer von materieller Beschränkung geprägten Zeit besitzt diese Tiefgarage nur eine auf das notwendigste beschränkte elektrische Beleuchtung ("DIN Notausgang") und keine Entlüftung außer der durch das Zufahrtstor und ein paar winzige Schachtöffnungen, so dass rußgeschwärzte Wände das Licht der spärlichen Beleuchtung beinahe vollständig schlucken. Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, fällt die enorme Rohheit des Betons und der Fügung von Bauelementen auf. Es ist dies ein Merkmal, das beinahe die gesamte frühe Parkhaus- und Tiefgaragenarchitektur prägt, dieser, wie man heute sagen würde: "Verzicht auf das Detail". Korrekterweise müsste man allerdings vom Verzicht auf das gezeichnete Detail sprechen, denn natürlich weist gerade diese Bauweise die spannendsten Details auf und wer Beton und Ziegel mag findet hier mehr Anregung als in so manchem "sauber" detaillierten Architektenbauwerk, dessen Detailaufwand womöglich darin besteht, Details zu verbergen. In ihrer Eigenart als äußerst rohe Bauten ähneln Parkhäuser und Tiefgaragen Kriegsbunkern. Da sie jedoch im Gegensatz zu Bunkern nicht auf Maximierung sondern auf Minimierung der Materialquerschnitte bedacht sein müssen - jeder Zentimeter Material kann nach DIN-Norm einen Parkplatz zunichte machen - nenne ich sie gerne "feine" Bunker (besonders höhergeschossige Parkhäuser gewinnen aus dieser Gleichzeitigkeit von Rohheit und Filigranität einen Teil ihrer enormen architektonischen Spannung). Die Rohheit der Bauweise, die rußgeschwärzten Wände und die Kellersituation des "Autokellers" in der Domstraße wirken einander verstärkend, denn der Keller war von jeher die "rohe", ungeliebte Geschossebene der Häuser, ohne Anmut und obendrein auch noch unheimlich und in seiner Erdnähe einem Grabe ähnlich, ein archaischer Ort also. Die Funktion "Auto Parken", diesen Inbegriff modernen, den Abgründen des Todes abgewandten Lebens, in einem solchen Keller anzutreffen, verblüfft und macht aus diesem Ort einen Schillernden. Seine Lage im ohnehin recht tief gelegenen Quartier "Unter Krahnenbäumen", wo "Dumpfheit" im alten Sinne des Wortes so deutlich spürbar ist, bettet ihn auratisch ein und macht ihn zu einem repräsentativen Ort dieser Gegend.[I] [I]Die Tiefgarage Domstr. 52 ist eine Privatgarage. Sie befindet sich nur zum Teil im Kellergeschoss des Wohnhauses mit derselben Hausnummer. Der größere Teil befindet sich unter der Hoffläche des Hauses. Auf dieser wird, unter dem Dach einer sogenannten "Wagenhalle", die eine wunderbare Autowerkstatt abgeben würde, ebenfalls geparkt. Die Zufahrt hierzu befindet im rechten der beiden Tore. Das Untergeschoss hatte früher auch eine Zufahrt von der Dagobertstraße, die aber seit langem verschlossen ist und nun noch als Notausgang dient. Boris Sieverts Künstler und Reiseführer, Köln [?] 360 Grad Panorama, Tiefgarage |
![]() ![]() Der Kölner Untergrund ist voll von feinen Bunkern, Haifischbecken, Sagopagen und Versorgungsschächten. Keller sind bergende und schützende Räume, konservieren Geschichte und Geschichten und bestimmen einen großen Teil des Mikroorganismus einer Großstadt. Domschatzkammer St. Severin Universitätsbibliothek Filmhaus Luftschutzkeller Tiefgarage Fernwärmetunnel Wasserspeicher ![]() [+] Zufahrt von oben... ![]() [+] ...und von unten ![]() [+] |
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